Wenn der Alltag zu voll ist und die Anforderungen zu groß sind, ist die große Frage: Was hilft uns, aus Stress und Überforderung auszusteigen, um wieder froh und gelassen unser Leben zu leben? Hilfreiche Gedanken von Birgit Schilling.

Immer mal wieder bemerke ich ganz überrascht, dass mir gerade alles zu viel wird, dass meine Sehnsucht nach Urlauben und Auszeiten steigen, dass ich schlechter schlafen kann und immer öfter sorgenvoll an diese oder jene Aufgaben und Projekte denke. Spätestens dann ist für mich der Zeitpunkt gekommen, um innezuhalten und nicht einfach noch einen Gang zuzulegen, um „es“ noch zu schaffen.

Vielleicht bist auch du oft auf der Überholspur des Lebens unterwegs. Oder du bemerkst, dass du gerade inmitten der Covid 19 Pandemie weniger Kräfte zur Verfügung hast. Kein Wunder, denn alleine die vielen kleinen Anpassungen an diese Zeit, Erkrankungen von lieben Menschen oder gar in der eigenen Familie, belasten uns und die vielen Unwägbarkeiten (Wie lange wird das noch so sein? Bleiben die Schulen geöffnet? Können wir einen Urlaub planen?) ziehen Energie von uns ab.
Vielleicht sind deine Persönlichkeit und deine Situation aber auch ganz anders gelagert. Du bist in einer Lebensphase, in der du wenig Spielraum hast, dein Leben an deinen Bedürfnissen entlang zu gestalten: Deine Kinder sind noch klein, Teenagerkinder laufen in eine andere Richtung als du es gut heißen kannst, Arbeitslosigkeit hat sich eingestellt und du weißt nicht, wie du die Rechnungen bezahlen sollst oder du kümmerst dich um alte Eltern.
Wie gehen wir mit solchen Situationen in unserem Leben um? Was kann uns helfen, aus Stress und Überforderung auszusteigen, um wieder froh und gelassen unser Leben zu leben?

Innehalten – vor und mit Jesus

Der erste Schritt scheint dem inneren Antreiber total entgegen zu stehen. Anstatt im Hamsterrad immer schneller zu laufen, halte ich inne. Für mich als Jesusnachfolgerin heißt das: Ich gehe zu meinem Gebetsplatz, schließe die Türe, spüre zum tiefsten Herzenspunkt hin und beginne: „Jesus, ich möchte dir sagen, wie es mir gerade ergeht. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich es aber selbst nicht. Doch das kommt mir gerade in den Sinn: (das sage ich dann) und das bemerke ich auch gerade: (auch das spreche ich aus).“ Und schon bin ich mitten im tiefen Gebet. Gebet, das mich aufatmen lässt und wo plötzlich ein Licht im Dunkeln aufstrahlt, sich Erleichterung mitten durch die Schwere bahnt und ich merke: Ja, die Hinwendung zu Christus führt mich immer auf die Spur ins Leben. Er ist das Leben. Ich muss mich gar nicht selbst am Schopfe packen und aus dem Schlamm ziehen. Jesus ist da. Er macht den Unterschied in meinem gerade so stressigen Leben. Er wird mich begleiten und mir helfen.
Manche Leistungsorientierten unter uns, mich eingeschlossen, spüren im „Nicht-schaffen des Vorgenommenen“ und beim Scheitern von Plänen, heftige Schuld- und Schamgefühle. Und manchmal denken wir sogar, Gott wäre nun von uns enttäuscht. Doch das ist nicht wahr. Nie klagt Gott uns bei Überforderung und Stress an, dass wir nicht einfach weiter in der Mühle laufen, um es doch noch hinzukriegen. Das sind unsere inneren Ankläger, die wir durch Erziehung und preußischer Kultur verinnerlicht haben. Mehr nicht.
Für mich ist es an dieser Stelle so wichtig, dass ich mich in der Liebe Gottes berge. Erst, wenn ich wieder spüre, dass Gott mich durchschaut, wertschätzt und liebt – erst dann kann ich aufatmend und angstfrei hinschauen und mich diesen drei Fragen stellen.
Die erste lautet: Wenn ich ganz ehrlich hinschaue – welche Stressreaktionen nehme ich bei mir wahr?

1. Stressreaktionen identifizieren

Woran bemerke ich, dass mir derzeit alles zu viel wird? Hier ist es gut, wachsam hinzuschauen, was wirklich ist. Die Mystiker nennen dieses ehrliche Hinschauen: nüchtern und wach sein. Ich bin nicht schon in meinen Interpretationen und Erklärungen, die mich oft eher zu meinen Prägungen und Antreibern leiten. Ich bin auch nicht bei meinem „So müsste und so sollte es bei mir sein“, denn alle Idealisierungen verhindern, unseren wirklichen Zustand zu erkennen. Stattdessen schaue ich schonungslos ehrlich hin: Was ist jetzt wirklich da?

Was zeigt sich mir körperlich?
Nichts ist so ehrlich wie unsere körperlichen Reaktionen. Wie fühlt sich mein Körper an? Bin ich überdreht, müde und kann doch nicht schlafen und mich erholen?
Wir sind von Gott so geschaffen, dass wir für einen Akutfall eine umfassende Bereitstellung und Aktivierung von Energie erhalten. Das bewirkt, dass wir schnell reagieren und uns schützen und in Sicherheit bringen können. Das ist wunderbar. Doch wenn diese Stresshormone auf Dauer in unser System ausgeschüttet werden, führt es dazu, dass wir nicht mehr abschalten und uns erholen können. Wir werden immer erschöpfter.
Was nehme ich körperlich wahr? Wie stehe ich morgens auf? Wie tatkräftig bin ich tagsüber? Wie gut kann ich schlafen? Nehme ich ein Ohrgeräusch wahr? Anspannung in den Schultern? Habe ich meine typischen Rückenschmerzen, die sich bei mir in Stresszeiten zeigen?
Es ist für mich immer ein wichtiger Schritt mir einzugestehen: Ja, ich schultere gerade viel und habe viel um die Ohren (ich finde es erstaunlich, wie wir selbst in unserer Sprache diese Überforderung körperlich ausdrücken). Vielleicht ist es ja ein „zu viel“.

Was zeigt sich mir psychisch?
Wie geht es derzeit meiner Seele? Wie ist meine psychische Verfassung? Wie fröhlich kann sie gerade sein? Wenn meine Seele sprechen könnte, was würde sie sagen?
„Ich fühle mich gerade wie …“ ja, wie was? Halte einen Moment inne und spüre dieser Frage nach und nimm wahr, welches Bild, welches Wort aus der Tiefe aufsteigt. Bewerte es nicht. Nimm es einfach wahr.
Wie ein trockener Schwamm? Wie ein gehetztes Kaninchen? Wie was? Was könnte dir dieses Bild über deinen tatsächlichen Zustand sagen?
Wie häufig kannst du derzeit am Tag lachen? Kann dein Herz derzeit vor Freude hüpfen? Worum kreisen deine Gedanken? Spürst du gerade eher Zuversicht oder Befürchtungen?
Hast du den Eindruck: Für Bedeutsames in meinem Leben ist immer wieder auch Zeit da.
Ich komme nicht zu kurz. Ab und zu lasse ich meine Seele im Wind baumeln. Und wann habe ich das das letzte Mal erlebt, ganz konkret mit Datum?
Wenn uns etwas ängstigt, können wir es mit Jesus im Gebet besprechen. Oder/Und wir erzählen dies Menschen, denen wir vertrauen und die uns helfen wieder einen realistischen Blick und Zuversicht zu erhalten.
Eine weitere Frage, die uns hilft, den Zustand unserer Seele zu erkennen:

Was sagt mir mein derzeitiges Beziehungs-Verhalten?
Wie präsent und mit Freude kann sich deine Seele gerade anderen zuwenden? Vor allem denen, mit denen du dein Leben teilst: deiner Freundin, dem Ehepartner, den Kindern, Gemeindeleuten und Nachbarn?
Gerade in unserer Fähigkeit, in einem gesunden Maß Anteil am Leben anderer zu nehmen, zeigt sich der wirkliche Zustand unseres Herzens.
Wenn wir Reaktionen in uns bemerken, die uns ängstigen, z. B. wenn wir immer öfter total ausrasten, wie auch immer sich das bei uns zeigt, oder wenn wir denken: „Ach, wenn ich eine Krebsdiagnose hätte, hätte ich endlich einen legitimen Grund, aus dem Hamsterrad auszusteigen“, oder wir denken immer öfter an Elia, den Propheten im Alten Testament, der sich nur noch unter einen Baum legen und sterben wollte, obwohl wir, wenn wir darüber nachdenken, nicht sterben wollen. Dann spätestens ist der Zeitpunkt gekommen, uns fachliche Hilfe zu suchen, mit unserem Hausarzt oder Pastorin oder Seelsorger zu sprechen.
All diese Fragen zielen darauf ab, realistisch einzuschätzen, Wie geht es mir – wirklich?

2. Stressoren identifizieren

Als nächstes schauen wir genau hin: Was genau stresst mich? Dabei ist es meist kein einzelnes äußeres Ereignis, sondern eine Vielzahl von kleineren und größeren Faktoren, die bewirken, dass irgendwann das Fass bei mir überläuft.
Vielleicht sind es äußere Ereignisse: Ein Umzug, der Einstieg in eine neue Arbeitsstelle oder der Verlust meiner Stelle. Selbst an sich wunderbare Ereignisse, wie eine Hochzeit oder Familienzuwachs setzen uns unter Stress.
Chronische Schmerzen stressen, Konflikte, wie häufige Auseinandersetzungen mit dem Ehepartner, zu hoher Zeitdruck und Leistungsanforderungen, finanzielle Sorgen … all das addiert sich in unserem Innern und irgendwann ist der Punkt erreicht, wo wir dauerhaft gestresst und Burnout gefährdet sind.
Auch in Covid 19 Zeiten geht unser normales Leben weiter und bringt für viele von uns per se ein Quantum Stress mit sich. Das müssen und dürfen wir uns in diesen Zeiten eingestehen, auch wenn es Momente gibt, in denen sich alles wieder normal anfühlt.

3. Wie lauten meine persönlichen Stressverstärker?

Sabine (52) suchte vor einigen Wochen die Beratung auf. Während sie vom Dorf mit dem Fahrrad nach Hause fuhr, hatte sie einen Platten und … brach in Tränen aus. Sie stand wie gelähmt neben ihrem Rad und weinte und weinte. Sie stand völlig neben sich. Erst da gestand sie sich ein, dass die Coronakrise sie in ihrem Inneren tief erschüttert hatte. Sie war immer dünnhäutiger geworden und der normale Alltag wurde für sie immer beschwerlicher. Innerlich hörte sie dann Sätze wie: „Du musst dankbar sein! Du hast doch eine Familie und ein Haus. Es geht dir doch gut. Versündige dich nicht an Gott!“ „Anderen geht es noch schlechter!“ „Was machst du denn gerade schon? Hast nur eine halbe Stelle. Stell dich nicht so an!“ und so weiter und so fort. All diese Sätze hatte sich Sabine jedoch nicht ausgedacht, sondern waren ihr ausgesprochen oder unausgesprochen in ihrer Adoptivfamilie gesagt worden. Ihre leibliche Mutter war gestorben als Sabine elf Monate alt war, sie kam in eine Pflegefamilie und wurde erst mit drei Jahren von ihrer aktuellen Familie adoptiert. Wie viele andere, die mit einem Mangel an Nähe, Geborgenheit, uneigennützigem Interesse und Bindung aufgewachsen waren, konnte sie nur wenig Grundvertrauen ins Leben aufbauen. Dies konnte sie erfolgreich kompensieren mit Zielen, Struktur, Leistung und Anerkennung. Doch in der Coronazeit brach davon vieles weg und so lief ihr Schiff auf Grund. Psychosomatische Beschwerden stellten sich ein: Unruhe, Ängste, Magenschmerzen und Schlafprobleme.
In Krisen und unter Stress zeigen sich unsere Lebenswunden und dysfunktionalen Bewältigungsmuster und das ist schmerzlich. Und doch bringen sie auch eine Chance mit sich. „Wenn nun (…) eine Krise folgt, werden sie dabei auch wieder aufgenommen. Sie erschweren die Krise einerseits, andererseits wird sie dadurch auch zu einer Chance, nun doch zu einer guten Lösung zu kommen und sie in die Persönlichkeit zu integrieren.“ [1]
Und so kann uns tatsächlich auch die Krise wieder zur Reifung dienen, zum Wachstum und Heiler-Werden. Das nimmt uns die Anstrengung nicht ab, und stellt alles doch in einen ermutigenden Sinnzusammenhang, der von Gottes Sicht her Sinn macht und uns ermutigt, auf unserem Weg tapfer an Jesus dran zu bleiben.
Zurück zu Sabine: Sie brauchte Zeit, sich zu erlauben, da zu sein, wo sie war und das zu erleben, was sie erlebte. Sie erkannte, dass ihr Erleben nicht ein Zeichen von „Dummheit“ war oder eines komischen Defektes in ihr, sondern dass es gute Gründe für ihr Erleben gab. Wann immer wir leiden, gibt es gute Gründe dafür, dass wir leiden.
Sie erlaubte sich immer öfters sich zu sagen: Was ist, darf sein. Ich darf da sein, wo ich bin. Und sie begann zu spüren, wann ihre Magenschmerzen nachließen: Das war z. B. im Garten. Oder auch beim Wandern in den Weinbergen, Sommers wie Winters. Sie konnte sehen, dass es zu ihrem Leben gehören würde, besonders achtsam zu bleiben und die Selbstfürsorge nicht aus den Augen zu verlieren.
Womit verschärfst du deine eigenen Stress-Situationen?

4. Tapfer entscheiden, was zu tun und was zu lassen ist.

Vor kurzem kam ich selbst wieder in die Situation, von der ich hier im Artikel schreibe. Ich bemerkte, dass mein Stress-Pegel enorm anstieg.
Folgendes hat mir geholfen, meinen inneren Frieden nicht zu verlieren. Vielleicht ist der ein oder andere Tipp dabei, der dir in deiner Situation helfen kann.

  • Ich musste lernen, Ansprüche, die ich an mich selbst stelle, zu erkennen und loszulassen. Immer mal wieder überfrachte ich mich mit Ansprüchen: Wie perfekt dieses oder jenes Projekt vorbereitet sein muss, was für eine immer zugewandte Mutter ich sein soll, wieviel Sport ich unterbringen muss, wie gesund unsere Mahlzeiten zu sein haben, wie aufgeräumt die Wohnung sein soll, wenn Besuch kommt, wie viel ich mich in der Gemeindeleitung zu engagieren habe, natürlich auch in Stoßzeiten meiner Berufstätigkeit und so weiter und so fort. Kannst du den Druck spüren, den ich mir da auferlege? Loslassen, vertrauen, dass ich einen Gott habe, der aus fünf Broten und zwei Fischen viele satt macht und mich auch. Stattdessen sage ich mir: Es ist gut genug! Es reicht. Jesus hilf mir. Amen!
  • Das beinhaltet jedoch, dass ich mich entscheide, mein Ansehen und meinen Wert von Gott zu erhalten, und nicht von den anderen. Ich liebe dieses Bibelwort aus Jeremia 17,5-8 sehr, weil ich mich in diesen zwei Seinsweisen zu beschrieben fühle: „So spricht der HERR: Verflucht ist der Mensch, der sich auf Menschen verlässt und hält Fleisch für seinen Arm und weicht mit seinem Herzen vom HERRN. 6 Der ist wie ein Strauch in der Wüste und wird nicht sehen das Gute, das kommt, sondern er wird bleiben in der Dürre der Wüste, im unfruchtbaren Lande, wo niemand wohnt. 7 Gesegnet ist der Mensch, der sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist. 8 Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte.“ Mit dem „verflucht“ ist nicht gemeint, dass Gott uns verflucht, sondern hier beschreibt Jeremia die Auswirkungen, je nachdem auf was wir uns verlassen. Wenn ich tief in Gott verankert bin, kann ich Kontrolle und Menschenfurcht und Absicherungstendenzen lockern und froh und im Vertrauen leben, inmitten von Herausforderungen, die nach wie vor da sind.
  • Gerade in diesen Zeiten versuche ich, anstatt schneller langsamer zu werden. Ich streiche alles, was nicht unbedingt sein muss, und gehe dem nach, was mich stärkt. Nein, der Keller muss jetzt nicht aufgeräumt werden, obwohl es mich nervt, dass es so ein Durcheinander ist. Nein, ich bin es jetzt nicht, die sich um die Belasteten der Gemeinde kümmert. Nein, jetzt gibt es keine aufwendigen Mahlzeiten. Stattdessen ruhe ich mich aus, spiele Klavier, gönne mir nach dem Pilateskurs noch einen Saunagang oder auch zwei, gehe abends spazieren und schmökere in einem Buch, das mir guttut.
  • Ich bitte andere um Hilfe, mich in diesen Wochen zu unterstützen. So habe ich letzte Woche Jane aus unserem Leitungsteam gebeten, meinen Vorsitz für das Leitungsteam zu übernehmen und … Jane hat gerne zugesagt. Meine Erfahrung ist: Wenn wir konkret um Hilfe und Entlastung bitten, helfen uns andere gerne. So geht es mir ja auch. Zu anderen Zeiten habe ich schon andere im Leitungsteam unterstützt
  • Ich gebe leiblichen und seelischen Vertrauenserfahrungen Raum. Wenn ich im „zu viel“ bin, schwirrt alles durch mein Hirn und lässt mich unsicher werden. Über „Denken“ komme ich dann nicht mehr weiter. Ich lege mich dann regelmäßig auf den Boden, auf meinen Teppich an meinem Gebetsplatz. Zunächst merke ich dann, wie verspannt ich bin. Doch nach ein paar Minuten lösen sich die Verspannungen. Ich atme auf. Ich liege auf dem Grund und kann nicht fallen. Ich bin getragen. Ich darf loslassen. Aufatmen. Und dann denke ich daran, dass der Theologe Paul Tillich Gott den Grund unseres Seins nannte. Das kann ich in diesem Moment spüren. Ich bin getragen von Gott. Ich atme auf.
  • Ich schaue nochmals so objektiv und „nüchtern“, wie es die Mystiker nennen, auf meine gesamte Situation. Ich bete darüber und dann entscheide ich, mit ganzem Herzen, was ich tun und was ich lassen werde. Manchmal muss ich eine Zusage zurücknehmen. Manchmal werde ich andere enttäuschen. Das ist so auf Erden und das darf sein.
  • Überhaupt ist es mir wichtig, dass ich mich „zu mir stelle“. Ich verzichte es, in einen inneren Krieg und in die Anklage zu gehen. Auch zu meinen Macken und Schwächen und Besonderheiten, denn … es gibt mich nur so, wie ich bin. Ich bin halt nicht wie meine Freundin, oder jene Referentin oder Bekannte. Das Vergleichen hat noch nie weitergeholfen. Wenn wir uns jedoch tapfer zu uns stellen, so wie Gott sich zu uns stellt, ist schon viel gewonnen.
  • Ich versuche meinen Aufmerksamkeitsfilter wieder zu weiten. Ja, ich bin gestresst. Ja, es ist mir eigentlich gerade alles zu viel. Aber was ist denn sonst noch in meinem Leben? Was läuft denn gerade rund? Habe ich nicht vorhin noch gelacht? Worüber freue ich mich denn gerade? Wofür kann ich dankbar sein?
  • Manchmal male ich ein Vertrauensbild, das mich tiefer berührt als Worte alleine dies tun. In unserer Gemeinde haben wir derzeit immer mal wieder Hausgottesdienste. Da wir so viele Kinder haben, ist es mit dem „alle treffen sich“ in der Coronakrise schwierig. Im kleinen Kreis haben wir über Psalm 23 nachgedacht und dann hat jeder mit Jaxellkreide sein „Psalm 23 und ich“ Bild gemalt. Eigentlich kann ich gar nicht malen, bzw. ich male wie eine Fünfjährige. Doch in diesen Minuten floss es aus mir heraus: Ich dachte an die Bergtour von diesem Sommer, wo wir über eine Hochalm liefen und an einem Bach vorbei … und dann malte ich mich dort, wie ich immer wieder an diesem „grüne Auen“ Platz Rast machen und auftanken kann. Dieses Bild liegt nun an meinem Gebetsplatz und, wenn ich ehrlich bin, liegt es auch jetzt gerade neben mir. Es ermutigt mich in den Tiefen meines Seins und lässt mich getrost mein Tagwerk tun. „Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln. Amen!“

Wir gehen nun bald in die Advents- und Weihnachtszeit. Es könnte, wie vielleicht schon so oft, die stressigste Zeit in diesem Jahr werden. Muss es aber nicht. Steh zu dir, deinen Bedürfnissen und deinen Grenzen.

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[1] Geistliche Begleitung, Eine Orientierung für die Praxis, Peter Köster SJ, EOS Verlag, 2009, S. 124